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Aug23

Leopard PowerPC (aktualisiert)

Sich für einen Mac zu entscheiden, kann viele Gründe haben. Ich für meinen Teil dachte, dass ein UNIX-basiertes jedoch kommerziell entwickeltes Betriebssystem sich perfekt für mein Informatik-Studium eignen würde.
Doch in der Tat hätte es auch ein Windows-PC getan, denn viel mit Linux oder UNIX-ähnlichen Systemen hatten wir im Studium nicht zu tun. Im Gegenteil, fast die gesamte Infrastruktur, so wie die Arbeitsplatzrechner waren mit Windows ausgestattet. Das war auch völlig ausreichend, sämtliche genutzte Programmierwerkzeuge, die ich der Linux-Welt vorenthalten glaubte, gab es auch für Windows. Einer unserer Dozenten wendete sich gar Linux ab, zu Gunsten von BSD, welches er für das eindeutig bessere System hielt.
Damals gab es bei Betriebssystemen noch Gut und Böse oder Gut und Schlecht. Heute scheint es anders zu sein, wenn man sieht, dass der Böse für die Guten entwickelt man unter Windows 10 ein Ubuntu installieren kann.

Jedenfalls war das UNIX unter der schicken Oberfläche, die es mir eigentlich am meisten angetan hatte, einer der Gründe, mich für mein erstes MacBook zu entscheiden. Dieses war das erste Gerät seiner Art mit einem Intel-Prozessor. Der 32-Bit Intel Core Duo tat seine Arbeit gut und Dank des Hardware-Decoders spielte Quicktime auch 1080p60-Inhalte klaglos ab.
Doch später entschied ich mich noch für ein iBook - sprich einen Mac mit PowerPC-Prozessor, der bis dato von Apple bevorzugten Prozessorfamilie.
Ein iBook G4 sollte es sein - war es aber zunächst nicht - später jedoch schon, weshalb ich mich ein wenig über Leopard unter PowerPC auslassen möchte.

Leopard ist ein modernes und gut durchdachtes Betriebssystem. Als UNIX-Derivat (die Intel-Version hat sogar eine UNIX-Zertifizierung) ist es relativ sicher und auch trotz seines hohen Alters noch als einigermaßen sicher im Vergleich zu anderen Systemen zu betrachten.
Klar, sollte man jetzt nicht gerade sorglos mit Leopard betriebene Rechner als Server am Netz betreiben, doch bisher ist mir noch keine Unregelmäßigkeit aufgefallen und dubiose Sicherheitsbedenken einiger hypochondrischer Internet-Trolle kann man getrost als gegenstandslos betrachten.
Dennoch möchte man ja so sicher und modern wie möglich unterwegs sein.
Deshalb stelle ich mal einige Programme vor, die Leopard auch heute noch in gutem Glanze erstrahlen lassen - sofern man es auf einem PowerPC betreibt, denn die hier vorgestellten Programme gibt es nicht für Apple's Intel-Plattform. Grund mag sein, dass während Leopard das modernste Betriebssystem für PowerPC ist, es für die Intel-Plattform mindestens bis zu Snow Leopard für die wenigen 32-Bit-Intel-Macs reicht, meist aber für die 64-Bit-Intel-Core-2-Duo-Rechner bis Lion. Snow Leopard und Lion wurden von Apple, so wie von vielen anderen Herstellern, insbesondere Google (Chrome) und Mozilla (Firefox/Thunderbird) viel länger unterstützt - doch auch die Tage dieser Systeme sind nun bald endgültig gezählt und die Zeit drängt, vielleicht diverse Software-Projekte zu gründen, moderne Open Source auch auf diesen alten Plattformen lauffähig zu machen.
Da aber auch Windows und Linux breite Unterstützung findet und sich diese Systeme auch auf alten Intel-Macs hervorragend nutzen lassen, sind diese wohl einem alten Mac OS X vorzuziehen - der alte Mac taugt dann eben nicht mehr zum Mac, gibt aber einen hervorragenden Windows-PC ab - auch in 32 Bit.

Hier nun die Programme, die ich gern auf Leopard PowerPC verwende:

  • Leopard-Webkit - neueste Web-Engine für Safari
    Tipp: Einige Seiten, z.B. die Google-Bildersuche, zeigen trotz der neuen Webkit-Engine eine alte Version der Webseite an. Das kommt daher, weil Webkit noch immer den alten User-Agent-String der zuletzt installierten Safari-Version mitsendet.
    Eine neuerer String kann übermittelt werden, in dem man in den Webkit-(Safari)-Einstellungen unter "Erweitert" das Häkchen bei "Menü Entwickler anzeigen" setzt.
    Anschließend wählt man im Menü "Entwickler" den Punkt "User Agent" > "Anderer ..." aus und trägt in das Dialogfeld den String eines neueren Agents ein: Mozilla/5.0 (Macintosh; Intel Mac OS X 10_11_6) AppleWebKit/604.5.6 (KHTML, like Gecko) Version/11.0.3 Safari/604.5.6 entspricht dem String des aktuellen Safari unter Mac OS X El Capitan.
    Nun steht auch die neue Google-Bildersuche zur Verfügung und Youtube meldet nicht mehr, dass der Browser veraltet sei.
  • TenFourFox - Web-Browser
  • TenFourFoxBox - zum Erstellen von Web-Anwendungen in einem Mini-Browser
  • TenFourBird - E-Mail-Client und Kalendar-Programm
  • LibreOffice 4.0.6.2 - die letzte Version des Büropakets für Leopard PowerPC (im Ordner für die Intel-Version ist das deutsche Sprachpaket zu finden)
  • Eclipse - Java-Entwicklungsumgebung
  • Xcode 3.1.4 - Entwicklerwerkzeug für Mac OS X u.a. zum Bauen von wget
  • wget 1.11.4 - zum Herunterladen von Webseiten
  • Fugu - einfacher SSH- und SFTP-Client (nutzt die eingebauten ssh-Terminalbefehle)
  • Cyberduck 4.3.1 - besserer SSH- und SFTP-Client (bessere Oberfläche, OpenSource, bittet um Spenden)
  • Transmission 2.22 - BitTorrent-Client
  • Perian 1.2.3 - Video-Codecs für Quicktime
  • VLC 2.0.10 - Video-Player
  • Mplayer-OSX Extended in Revision 14 (letzte PowerPC-Version) gibt es hier.
    Der Download-Link auf der offiziellen Homepage führt nämlich ins Leere.
  • youtube-dl - lade Videos von Youtube herunter, um sie dir in Quicktime überhaupt anschauen zu können (denn im Browser geht es nicht wirklich)
    Anleitung zum Herunterladen:
    • Kopiere den Download-Link, den du eigentlich in die curl-Befehlszeile eintragen solltest - der Download geht auf Grund fehlender Zertifikate nicht mit curl.
    • Starte Leopard Webkit oder TenFourFox und öffne das Download-Fenster.
    • Tippe auf CMD+V, um die URL in das Download-Fenster einzufügen.
    • ... ODER klicke einfach hier (ohne Gewähr)
      (klappt auch dies nicht, so laden wir das Programm eben ohne https herunter: klick hier)
    • Da du das Programm nun in deinem Downloads-Ordner hast, es aber an andere Stelle geladen werden sollte, verschiebe es mit sudo mv ~/Downloads/youtube-dl /usr/local/bin/youtube-dl
    • Übergebe den Besitz an root: sudo chown root:staff /usr/local/bin/youtube-dl
    • Mach es ausführbar mit sudo chmod a+rx /usr/local/bin/youtube-dl
      (Die letzten beiden Schritte habe ich beim letzten Test nicht gemacht, jedoch beruhigt es das Gewissen, wenn die Rechte dem entsprechen, was der Autor vorgesehen hatte.)
    • Mach Regelmäßige Updates, da Youtube das Format seiner Webseite öfter ändert. Die Autoren von youtube-dl liefern dann in der Regel schnelle Updates.
    Anleitung, um youtube-dl zu nutzen:
    • youtube-dl funktioniert nicht mit der Python-Version von Leopard - lade also Python 3.5.4 herunter:
      Python 3.5.4 (direkter Link)
    • auch Quicktime kommt nicht mit HD-Videos klar, weshalb wir die Qualität 18 wählen - die Qualität ist dann ähnlich PAL, auch kennt youtube-dl nicht die neuen Zertifikate, weshalb wir sie ignorieren - ist auch egal, den youtube-Link hast du ja so eben von Youtube kopiert - einer Seite, die von TenFourFox oder Leopard-Webkit als sicher erkannt wurde.
      Lege dir also einen Alias in ~/.bash_aliases an, der all dies kombiniert:
      alias ytdl='python3 /usr/local/bin/youtube-dl -f 18 --no-check-certificate'
      Mit dem Befehl ytdl lädst du nun Videos mit Hilfe der neu installierten Python-Version 3 in Qualität 18 ohne Kontrolle eines Zertifikates herunter.
  • ffmpeg 4.1.4 sogar die derzeit aktuelle Version lässt sich mit Xcode bauen und installieren: $ ./configure --disable-htmlpages
    $ make
    $ sudo make install
    Lediglich die HTML-Version der Anleitung lässt sich nicht bauen, aber das betrifft auch aktuelle Versionen von Mac OS X.
  • Xee 2.1.1 - Bildbetrachter
  • The Unarchiver - Entpacker u.a. für 7zip und xz
    Die höchste Versionsnummer für Leopard PowerPC ist tatsächlich Version 3.11.1, also die höchste Version - allerdings braucht man das Legacy-Paket.
    Doch habe ich mit der Version 3.10_legacy bessere Ergebnisse erzielt, sprich, Version 3.11.1_legacy startet manchmal nicht und manchmal doch.
  • TextWrangler 3.5.3 - Code-Editor (neuer Link)
  • X11 2.6.3 - X11-Umgebung für Linux-Programme
  • GIMP 2.6 - Grafikprogramm (benötigt X11)
  • inkscape 0.48 - Vektor-Grafik-Programm (benötigt X11)
  • QuickTime 7.6.4 - Videoplayer (benötigt von iTunes 10)
  • MacFuse / OSXFuse für den Zugriff auf fremde Dateisysteme
  • ntfs-3g für MacFuse für den Zugriff auf Windows-Laufwerke (letzte freie Version)
  • SSHFS für *Fuse für den Zugriff auf SSH-Server mit dem Finder
  • ext2fuse für *Fuse für den Zugriff auf Linux-Partitionen - vielleicht eher was für Intel-Macs ...
  • Sio2OSX - Laufwerksemulation für das Sio2PC ... den kostenlosen Lizenzschlüssel gibt es hier vom Autoren des Programms
  • FDTI-Treiber - USB-2-Seriell-Treiber (benötigt von Sio2OSX)
  • cc65 2.18 - der C-Cross-Compiler lässt sich ganz einfach mit Xcode bauen und installieren: $ make PREFIX="/usr/local"
    $ sudo make install PREFIX="/usr/local"
  • DOSBox - macht auch das iBook zur Spielemaschine für DOS-Klassiker
  • ScummVM spielt die Klassiker von Lucas Arts
  • Stellarium Version 0.11.3 ist die letzte Version für den PowerPC mit Mac OS X Leopard

Einige dieser Programme sind schwer zu finden, teilweise werden sie etwas versteckt, da die Autoren mittlerweile neue Versionen zum Verkauf anbieten. Doch die Download-Links führen zum gewünschten Programm, mit Ausnahme von Xcode, da hier eine Anmeldung bei developer.apple.com benötigt wird. Von dort aus muss man sich zur genannten Version durchklicken. MacFuse hab ich ebenfalls nicht mehr verlinkt, da es von OSXFuse abgelöst wurde und zudem auch in ntfs-3g enthalten ist.

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Kommentare

Stefan schrieb am 27.10.2017:
Top!!!!! das gefällt mir ausnehmend guuut :D